Von einem Tag auf den anderen wurde das ersehnte Wunschkind zum Trauma. Diagnose Querschnittslähmung, nie laufen können und immer auf andere angewiesen sein. Mütterliche Bindung fehlte. Die ersten drei Jahre lag sie im Krankenhaus. Sicherheit kannte sie nicht. "Du bist kaputt und wenn du heil wärst, wärst du besser."
Dieses Gefühl hat sich bei Ilka Bischoff tief in die Seele eingegraben und ihr lange Zeit das Leben schwer gemacht.
Im Rollstuhl zu leben zeigt andere Perspektiven und baut Hindernisse auf, konzentriert aber auch auf das Wesentliche und schult die Achtsamkeit, meint sie und dabei huscht ein Lächeln über ihr Gesicht - und das macht sie schön.
Getrieben von dem Gedanken, sie sei kaputt und deshalb nichts wert, suchte sie danach etwas zu findn, was sie stärkt. Oft blockierten Ängste und Panikattacken ihr Leben. In der Literatur fand sie Antworten. Lesen wurde ihre große Leidenschaft. Die Bücher von Hermann Hesse verschlang sie und sein Satz "Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne..." gab ihr Kraft Neues zu wagen, sich in Beziehungen auszuprobieren, auch wenn das Glück manchmal nur in Momenten steckte. Ilka gehört zu den Frauen, die sich in Gedanken hineinsteigern und sich von Gefühlen übermannen lassen. Sie hat Krisen überlebt und ist gestärkt daraus hervorgegangen, mutig und kraftvoll zugleich. Toleranz und Hilfsbereitschaft sind für sie hohe Werte. Für sie bedeutet das zu teilen, sich auszutauschen und auszuhalten, dass die Menschen unterschiedlich sind. Austausch fand Ilka in Selbsthilfegruppen und in ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit im Behindertenverband.
Wie das Schkicksal manchmal so spielt, lernte sie im Sozialausschuss die Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft "Spina bifida und Hydrocephalus LV Brandenburg e.V. (ASbH" kennen. Beide Frauen waren sich sofort sympathisch.
Durch diese Begegnung lernte Ilka die Arbeit des Vereins kennen und verschrieb sich ihr mit Leib und Seele. Nun ist sie seit mehr als sechs Jahren ehrenamtliche stellvertretende Vorstandsvorsitzende. Obwohl gelernte Wirtschaftskauffrau, hatte sie mit Zahlen nie etwas am Hut. Aber in der Projektarbeit änderte sich das schnell. Plötzlich bekamen Zahlen eine Sprache.
Besonders am Herzen liegen ihr junge Menschen und dass sie ihren Platz im Leben finden. Deshalb organisiert sie Kompetenztrainings und gibt ihre Erfahrungen weiter. Psychologie ist ihr Lebensanker. Auf ihre Fragen findet sie Antworten und in der Therapie entdeckte sie Ihre Angst vor Nähe. Geliebt zu werden ist für sie noch immer mit Angst besetzt und die Begegnung mit ihrem Freund eine Herausforderung. Durch ihn erlebt sie, dass sich Probleme Nichtbehinderter und behinderter Menschen gleichen können. Sie ist ein Gefühlsmensch, kann sich in andere hineinversetzen, weiß, was junge Menschen bewegt und deshalb vertrauen sie ihr.
Ilka stellt sich ihrem Leben, erlebt den Zauber des Neuanfangs und freut sich, wenn sie andere Menschen begeistern und ihnen Unterstützung geben kann.





